Ratgeber
Füllventil oder Ablaufventil defekt? So findest du es heraus
Kurz gesagt: Läuft der Kasten über den Überlauf nach (er füllt sich immer wieder), schaltet das Füllventil nicht ab. Tropft dagegen dauernd Wasser direkt ins Becken, während der Kasten gefüllt bleibt, sitzt der Fehler am Ablaufventil bzw. an der Heberglockendichtung. Zwei kurze Tests bringen Klarheit.
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Erst mal: Wohin genau läuft das Wasser?
Die entscheidende Frage lautet: Läuft das Wasser über den Überlauf nach oder tropft es direkt ins Becken? Daran erkennst du in wenigen Minuten, ob dein Füllventil oder dein Ablaufventil defekt ist - und sparst dir das Bestellen des falschen Ersatzteils. Öffne dazu den Spülkasten, nimm den Deckel oder die Drückerplatte ab und schau dem Kasten bei aufgedrehtem Wasser einfach eine Weile zu.
Zwei Bauteile kommen infrage: Das Füllventil (Schwimmerventil) füllt den Kasten und soll bei Erreichen des Füllstands abschalten. Das Ablaufventil (die Heberglocke) hält das Wasser im Kasten und gibt es erst beim Drücken frei. Je nachdem, welches der beiden nicht mehr sauber schließt, zeigt sich ein anderes Bild:
| Was du beobachtest | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|
| Kasten füllt sich immer wieder, Wasser steht am Überlauf | Füllventil schließt nicht |
| Dauerndes Rinnsal direkt ins Becken, Kasten bleibt gefüllt | Ablaufventil / Heberglockendichtung |
| Leises Zischen oder Rauschen, das nicht aufhört | Füllventil läuft ständig nach |
Auch der Hersteller nennt genau diese beiden Bauteile. Geberit führt in der Instandhaltungsanleitung zur WC-Steuerung mit Betätigungsplatte Sigma10 (für Geberit Sigma Unterputzspülkästen) unter der Störung "Wasser läuft ständig in die WC-Keramik" als mechanische Ursachen "Flachdichtung der Heberglocke defekt" und "Füllventil defekt" auf - jeweils mit dem Hinweis, das betroffene Teil zu ersetzen. Welche der beiden Ursachen bei dir vorliegt, sagt der Hersteller ausdrücklich nicht; das entscheidet erst die Beobachtung am eigenen Kasten. Genau dafür sind die folgenden zwei Tests da.
Der Überlauf-Test: defektes Füllventil erkennen
Läuft Wasser über den Überlauf - das senkrechte Standrohr in der Kastenmitte - ins Becken, schaltet das Füllventil nicht ab. Das Ventil schaltet nicht mehr ab, der Wasserstand steigt über die normale Marke, und damit der Kasten nicht überläuft, leitet der Überlauf das zu viel eingefüllte Wasser kontrolliert ins WC ab. Für dich sieht das nach einer dauernd laufenden Toilette aus.
So prüfst du es: Beobachte den Wasserstand nach dem Füllen. Steht er ganz oben am Rand des Überlaufrohrs oder rinnt sichtbar Wasser hinein, hast du die Ursache. Oft hörst du zusätzlich ein feines Zischen, weil das Ventil nie ganz dicht schließt. Mehr zu diesem Fehlerbild steht im Ratgeber Spülkasten läuft nach.
Der Becken-Test: Ablaufventil oder Dichtung
Tropft dauernd Wasser direkt ins Becken, während der Wasserstand im Kasten unter dem Überlauf bleibt, sitzt der Fehler am Ablaufventil oder an der Heberglockendichtung. Die Heberglocke schließt dann nicht mehr sauber ab, zum Beispiel weil die Dichtung porös, verkalkt oder verhärtet ist. Das Wasser sickert langsam an ihr vorbei und läuft still ins Becken - Tag und Nacht.
Tipp
Wisch das Becken innen kurz trocken und beobachte, von wo das Rinnsal kommt. Läuft es hinten aus dem Spülrand nach unten, kommt das Wasser aus dem Kasten - ein klares Zeichen für Ablaufventil oder Dichtung.
Der Bleistift-Test bei unklarem Fall
Bist du unsicher, markiere die Wasserlinie im Kasten mit einem Bleistift und dreh das Eckventil an der Wand zu. Ohne Nachschub verrät dir der Wasserstand den Schuldigen. Warte etwa 20 bis 30 Minuten und schau, was passiert:
- Der Wasserstand sinkt (die Bleistiftmarke liegt bald über der Wasserlinie): Das Wasser verlässt den Kasten unten durch das Ablaufventil - die Heberglocke oder ihre Dichtung ist undicht.
- Der Wasserstand bleibt stehen: Der Ablauf ist dicht. Öffne das Eckventil wieder - steigt der Pegel jetzt bis über den Überlauf, schaltet das Füllventil nicht ab.
So trennst du die beiden Fehler sauber, auch wenn beide gleichzeitig schwächeln.
Was du jetzt reparierst
Steht die Diagnose, ist die Reparatur meist in 30 bis 60 Minuten mit einer Wasserpumpenzange erledigt. Dreh vorab immer das Eckventil zu und spüle den Kasten leer. Dann gilt je nach Ergebnis:
- Füllventil defekt: Ein Universal-Füllventil deckt viele Kästen ab; entscheidend ist, ob dein Kasten Seiten- oder Bodeneinlauf hat. So gehst du vor: Füllventil wechseln. Welches Ventil passt, klärt die Kaufberatung Welches Füllventil passt.
- Ablaufventil defekt: Eine neue Heberglocke bringt meist gleich eine frische Dichtung mit. Anleitung: Ablaufventil / Heberglocke wechseln.
- Nur die Dichtung hart oder verkalkt: Oft reicht ein günstiges Dichtungsset, bevor du das ganze Ventil tauschst - siehe Dichtung wechseln.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob das Füllventil oder das Ablaufventil defekt ist?
An der Fließrichtung. Läuft dein Spülkasten über den Überlauf nach und füllt sich immer wieder, schaltet das Füllventil nicht ab. Tropft dagegen dauernd Wasser direkt ins Becken, während der Kasten gefüllt bleibt, sitzt der Fehler am Ablaufventil oder an der Heberglockendichtung.
Was ist der Bleistift-Test?
Markiere die Wasserlinie im Kasten mit einem Bleistift und dreh das Eckventil zu. Sinkt der Wasserstand nach 20 bis 30 Minuten, verlässt Wasser den Kasten durch das Ablaufventil. Bleibt er stehen und steigt erst nach dem Öffnen des Eckventils über den Überlauf, schaltet das Füllventil nicht ab.
Können beide Ventile gleichzeitig defekt sein?
Ja, das kommt vor, vor allem bei altem Innenleben. Der Bleistift-Test trennt die Fehler: Erst prüfst du bei geschlossenem Eckventil den Ablauf, dann bei geöffnetem Eckventil das Füllventil. So siehst du, ob eines oder beide Teile nachgeben.
Muss ich vor der Diagnose das Wasser abstellen?
Zum reinen Beobachten nicht. Für den Bleistift-Test und für jede Reparatur drehst du aber das Eckventil an der Wand zu und spülst den Kasten leer, bevor du Teile löst.